wobintosh@buecher.pnpde.social reviewed Fairarscht by Sina Trinkwalder
Etwas überholt, (für mich) etwas radikal
2 stars
Das Buch bespricht eine Vielzahl an Themen, die Bezug zu nachhaltigem (Nicht-)Konsum haben.
Leider riecht das Buch etwas sehr nach der "guten, alten Zeit".
An der ein oder anderen Stelle hat das Buch für mich leider etwas radikales, das Faktoren nicht bedenkt - dass geschälte Kartoffeln für die meisten Menschen ein absolutes Convenience-Produkt sind, mag sicher zutreffen, dass sie aber auch im Sinne von Barrierefreiheit eine relevante Voraussetzung zum Kochen für einige Personen sein können, bedenkt die Autorin leider nicht. Das sei ihr aber noch zugestanden - diese Erkenntnis ist, jedenfalls meiner Wahrnehmung nach, jünger als das Buch. Etwas ärgerlicher finde ich aber, dass die Verbreitung von "frei von"-Produkten, also etwa Glutenfreie Lebensmittel, aber auch vegane Produkten nur auf eingebildete Unverträglichkeiten zurückgeführt wird. Dass gerade bei letzteren auch Klima ein Aspekt ist, wird nicht berücksichtigt (S. 21), dass bei diesen der Preis durchaus nicht mehr nur niedriger ist …
Das Buch bespricht eine Vielzahl an Themen, die Bezug zu nachhaltigem (Nicht-)Konsum haben.
Leider riecht das Buch etwas sehr nach der "guten, alten Zeit".
An der ein oder anderen Stelle hat das Buch für mich leider etwas radikales, das Faktoren nicht bedenkt - dass geschälte Kartoffeln für die meisten Menschen ein absolutes Convenience-Produkt sind, mag sicher zutreffen, dass sie aber auch im Sinne von Barrierefreiheit eine relevante Voraussetzung zum Kochen für einige Personen sein können, bedenkt die Autorin leider nicht. Das sei ihr aber noch zugestanden - diese Erkenntnis ist, jedenfalls meiner Wahrnehmung nach, jünger als das Buch. Etwas ärgerlicher finde ich aber, dass die Verbreitung von "frei von"-Produkten, also etwa Glutenfreie Lebensmittel, aber auch vegane Produkten nur auf eingebildete Unverträglichkeiten zurückgeführt wird. Dass gerade bei letzteren auch Klima ein Aspekt ist, wird nicht berücksichtigt (S. 21), dass bei diesen der Preis durchaus nicht mehr nur niedriger ist als bei "richtigen" Lebensmitteln, mag als neuere Entwicklung ebenso durchgehen.
Gleichzeitig stellt die Autorin aber auch zentrale Fragen, insbesondere das Henne-Ei-Problem bei "Mehr"-Konsum: Wollen Kund*innen mehr und günstigere Auswahl oder sind sie vom Handel überhaupt erst darauf "trainiert" worden? Hier wird auch dargestellt, dass ein zentrales "Problem" die begrenzte Möglichkeit des Wachstums ist: "Schließlich wird von Unternehmen verlangt, dass sie wachsen. Das ist das Dogma, welchem unsere Wirtschaft zweifelsfrei unterworfen ist. Nur: Der Konsummarkt ist gesättigt. Die Kundenanzahl wächst nicht mehr in Deutschland (...). Es gibt hier nichts mehr zu holen." (S. 23)
Ich habe bei der Lektüre allerdings schon den Eindruck gewonnen, dass zumindest einiges seit Erscheinen des Buches besser geworden ist - seien es Möglichkeiten zum Kauf vom "Rest vom Buffet" mit TooGoodToGo, dass Obst und Gemüse jedenfalls in "meinem" Supermarkt zunehmend stärker saisonal verfügbar zu sein scheinen oder dass die Backwaren-Theken sowohl in vielen Supermärkten als auch bei vielen Bäckern sich mittlerweile zum Ende des Tages hin deutliche Lücken zeigen.